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Dieser Worldcup 2002, diese Mammut-Turnier des Welt-Fu©¬balls, diese Vorzeige-Show an Mega-Stars und aufgehenden Sternchen, geht dem Ende entgegen. 62 von 64 Begegnungen sind gespielt, 29 der 31 Tage von Korea und Japan gehoren der Vergangenheit an.
Nur noch vier Mannschaften von insgesamt 32 hoffnungsvoll gestarteten haben sich bis zum Ende durchgesetzt. Vier Teams, die aufgrund der Leistungen der vergangenen 12 Monate alles andere als pradestiniert schienen, sich an die Spitze der Welt zu etablieren. Zwei von ihnen werden am Sonntag um den Titel streiten. Die Brasilianer, die im Halfinale streckenweise ein Feuerwerk an fu©¬ballerischen Brillanz boten, und die Deutschen, die gegen Korea endlich an die groartige Auftaktpartie gegen die Saudis anknupften. Favoriten sind die Sudamerikaner, aber Deutschland hat oft genug bewiesen, dass die Mannschaft aus der Position des Au©¬enseiters besondere Starke entwickelt. Einer wird am Ende jubeln, einer entkraftet und enttauscht der Trophaen-Ubergabe zuschauen mussen, aber insgeheim wohl mit dem Gedanken uberleben konnen, stolz auf das Vordringen ins Finale und das Erreichen des 2. Platzes sein zu konnen. So stolz wie beide, die am Samstag um den undankbaren dritten Platz streiten, und die immerhin aller Welt gezeigt haben, dass in den bisher fu©¬ballerisch kaum fur ernst genommenden Landern Korea und Turkei ein attraktiver, erfolgsbetonter Fu©¬ball gespielt werden kann.
Diese Weltmeisterschaft 2002, vielfach in den fu©¬ball-Traditions-Landern Europas und Sudamerikas als sportpolitisches Verlegenheits-Experiment bezeichnet, darf als ein voller Erfolg gewertet werden. Sportlich, weil die Ausgeglichenheit fast aller teilnehmenden Nationen den gestiegenen sportlichen Wert des Fu©¬balls in aller Welt unterstreicht; sportlich ebenso, weil in vielen Begegnungen, besonders in der Vorrunde, Fu©¬ball sich als spielerische Demonstration eines gepflegten, schnellen, kampferisch hochstehenden und offensiv-bestriebenen Mannschaftssports auf hochstem Niveau darstellte. Kulturell, weil zwei asiatische Lander, die vielen Menschen nur vom Horensagen her bewu©¬t waren, sich in aller Welt als weltoffene, symphatische Volker mit immer freundlichen, hilfsbereiten, ogranisationsfahigen Menschen prasentieren konnten. Politisch, weil zwei Nationen, die eine schwierige Vergangenheit mehr trennte als vereinte, plotzlich als unumgangliche Verbundete miteinander reden, arbeiten und fureinander einstehen mu©¬ten. Und schlie©¬lich wirtschaftlich, weil die gewaltigen Investitionen, unabhangig vom spater zu errechnenden finanziellen Output eine nachhaltig verbesserte Infrastruktur mit positiven Auswirkungen auf die Volkswirtschaft zeitigen werden.
Diese WM hat bei uns allen, die wir vor Ort dabei sein durften, einen unglaublich positiven Widerhall hinterlassen. Vor allem mein Aufenthalt in Korea zeigte mir, wie vorbildlich sich dieses Land auf die gro©¬te und langste Veranstaltung, die die Welt zu bieten hat, vorbereitete. Wie intensiv die Menschen diese Fu©¬ball-Veranstaltung begleiteten, freudestrahlend die verschiedensten Eindrucke auf sich nahmen, freundlich alle Fragen beantworteten, hilfsbereit bei Problemen zur Seite standen, vor allem aber begeistert ihre eigene Mannschaft feierten, war ungeheuer beeindruckend.
Das wesentlich jedoch, was andere tradionsreiche Fu©¬ball-Nationen von diesem Land Korea lernen konnen, ist die Fairne©¬, die alle Menschen wahrend der WM demonstrierten: Jubel um das eigene Team, Begeisterung im Sieg, aber Anstand in der Niederlage und Hochachtung vor dem besseren Gegner .Wie ich nach dem Halbfinale als Deutscher, dessen Team soeben die Koreaner aus dem Wettbewerb geworfen hatte, in der U-Bahn von Seoul von wildfremden Menschen beklatscht wurde, ruhrte mir das Herz. Achtung vor dem Gegner ist ein Charakterzug, der vorbildlich ist und dem Postulat der Fairne©¬ zur wirklichen Bedeutung verhilft. Korea hat in diesen Tagen auf der Symphathie-Skala einen entscheidenden Schritt nach vorne vollzogen.
Und dass ich neue Freunde gewinnen durfte, ist ein ganz personlicher Nutzen von diesen Tagen in Korea. Bum Kun Cha und seine Familie zum Beispiel, die immer mit einem Lachen bereit standen, die ein untrugliches Gefuhl entwickelten, wann sie mir zur Seite stehen konnten. In Bum Kun Cha stellt sich die ganze Liebenswurdigkeit dieses Landes dar!
Sportlich verlief diese Weltmeisterschaft sehr uberraschend. So viele Favoriten wie 2002 mu©¬ten noch nie fruhzeitig die Segel streichen. Argentinien und Frankreich, der amtierende Weltmeister gar, kamen nicht einmal uber die Vorrunde hinaus. Portugal, einer der Geheimfavoriten wurde von den sich standig uberbietenden Koreanern klar beherrscht. Italien, Schweden, Danen hatten ebenfalls kaum etwas zuzusetzen. Spanien und England machten sich gro©¬ere Hoffnungen als das Erreichen das Viertelfinales.
Dafur uberzeugten die bisher unbedarften Amerikaner, die scheinbar harmlosen Senegalesen, die international bisher zweitklassigen Turken. Und vor allem die beiden Gatsgeberlander, wobei Korea einen kaum wiederholbaren Erfolg zeitigte. So viel Herzblut in ein Spiel zu geben, so viel taktisches Verstandnis in so kurzer Zeit zu verinnerlichen, so viel an fu©¬ballerischen Feinheiten zu prasentieren ist aller Ehren wert. Die Aufgabe der koreanischen Fu©¬ball-Fuhrung mu©¬ nun sein, diese erarbeitete Klasse zu konservieren, und nicht bereits bei der nachsten WM wieder unter ferner liefen zu rangieren. Talente gibt es reichlich unter den koreanischen Fu©¬ballern!
Die Weltmeisterschaft 2002 ist fast vorbei. Wir Gaste haben Dank zu sagen fur 30 arbeitsreiche, erlebnisreiche Tage. Deutschland, der Gastgeber bei der nachsten WM 2006, wird sich anstrengen mussen, alle diese positiven Eigenschaften toppen zu konnen. Wobei ich als Deutscher verspreche, dass auch wir allen Gasten eine unverge©¬liche WM prasentieren werden!
(Chief Editor of Kicker, Germany)
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